Nach drei Heimsiegen zum Einstieg folgt nun für HaSpo Bayreuth in der Handball-Regionalliga Bayern der Männer eine Phase mit wegweisender Bedeutung für die gesamte weitere Saison. Am Samstag um 19.30 Uhr beim VfL Günzburg beginnt eine Reihe von vier Spielen gegen wahrscheinliche direkte Konkurrenten in der Spitzengruppe. Die Bedeutung dieser Begegnungen hatte Trainer Mathias Bracher schon vor dem Saisonstart hervorgehoben: „Wenn wir danach Tabellenführer sind, können wir ernsthaft behaupten, dass wir aufsteigen wollen. Bei vier Minuspunkten geht es aber wohl eher darum, möglichst lange vorne dran zu bleiben.“
Der traditionsreiche VfL Günzburg, der Anfang der 1980er Jahre der Bundesliga angehörte und laut Selbsteinschätzung auf der Internetseite des Vereins „in die 3. Liga gehört“, nimmt unter den kommenden Gegnern eine bemerkenswerte Sonderstellung ein. In der vergangenen Saison hat er nämlich beide Duelle mit HaSpo gewonnen (29:26 daheim und 26:24 in Bayreuth). Das hat in den vergangenen drei Spielzeiten kein anderes Team geschafft, nicht einmal die jeweiligen Meister und Drittliga-Aufsteiger. Nach der Vorrunde hatten die Schwaben mit 20:6 Punkten auch zu den Titelanwärtern gehört, aber am Ende einer deutlich schwächeren zweiten Saisonhälfte reichte es mit 34:18 Zählern doch nur für Platz fünf.
Trotz der schlechten Erfahrungen sieht HaSpo-Trainer Bracher aber keine speziellen Schwierigkeiten seiner Mannschaft mit der Spielweise der Günzburger. Vielmehr seien beide Partien recht unglücklich verlaufen: „Auswärts stand es zwei Minuten vor Schluss noch unentschieden, ehe alles gegen uns lief. Und beim Heimspiel war unser Aufgebot ganz besonders dünn besetzt.“ In Günzburg hatten die Bayreuther damals zusätzlich das Pech, dass die dort stets sehr stimmungsvolle Halle aufgrund eines speziellen Aktionstags mit mehr als 1000 Zuschauern gefüllt war.
Die Qualität des Gegners will Bracher aber natürlich keineswegs kleinreden: „Diese Mannschaft ist schon seit Jahren eingespielt. Zwar kommen immer wieder junge Leute dazu, aber die Leistungsträger sind routiniert. Die verlieren nie die Nerven und glauben immer an ihre Chance.“ Auch die offensichtliche Schwachstelle, dass kein Linkshänder für den rechten Rückraum zur Verfügung steht, habe das Team mit seiner Spielweise weitgehend kompensiert: „Der bewegliche Rückraum findet Wege, um auch auf dieser Position für Torgefahr zu sorgen.“
Den Ruf von der Nervenstärke der Günzburger in engen Spielen bestätigten nicht nur die zurückliegenden Spiele gegen HaSpo, sondern auch der Start in die neue Saison. Mit 8:0 Punkten liegen sie auf dem zweiten Tabellenplatz, aber die vier Siege erzielten sie lediglich mit einer Tordifferenz von zehn. Die Hälfte davon fiel allein auf die Torejagd gegen HC Erlangen III (43:38), während es gegen HSC Coburg II (32:30), in Rothenburg (30:29) und zuletzt mit grippegeschwächter Besetzung beim TSV Allach (27:25) bis zuletzt umkämpft blieb. Den größten Anteil an der Torausbeute hatte Noah Heisch, der allerdings die Hälfte seiner 30 Treffer von der Siebenmeterlinie erzielte. Aus dem Feld traf Rückraumspieler Nicolai Jensen am häufigsten (20), der auch bei den beiden Siegen gegen HaSpo in der vergangenen Saison mit insgesamt 13 Toren am erfolgreichsten war. Sogar der im Frühjahr zum Günzburger Oberbürgermeister gewählte Michael Jahn ist immer noch dabei, soweit es sein neues Amt zulässt. Bisher stand der 31-Jährige in drei der vier Saisonspiele auf dem Feld und trug insgesamt sieben Tore bei.
Mathias Bracher weiß also ziemlich genau, was seine Mannschaft in Günzburg erwartet. Der letzte 37:22-Sieg gegen den SV Anzing hat ihn aber in der Zuversicht bestärkt, dass sie damit umgehen kann: „Dafür spricht vor allem die Art und Weise, wie wir in der ersten Halbzeit in der Abwehr gespielt haben. Das war viel besser als in den Spielen zuvor und schon richtig gut. Dann hat es allerdings unser Konzept ein Stück weit zerlegt, weil unsere beiden Stammspieler für die Abwehrmitte verletzt ausgefallen sind.“ Ein Teil der Erfolgsaussichten dürfte also auch davon abhängen, inwieweit Fabio Nicola, Maximilian Berthold und auch der ebenfalls angeschlagen ausgeschiedene Johannes Ruoff schon wieder einsatzbereit sein werden. Darüber wollte der HaSpo-Trainer nicht spekulieren: „Das muss sich kurzfristig entscheiden.“