Am letzten Spieltag in der Handball-Regionalliga Bayern der Männer müssen sich alle Mannschaften auf eine ungewohnte Anwurfzeit einstellen. Obwohl kein einziger Verein seine üblichen Heimspiele am Samstagnachmittag austrägt, wurde als einheitlicher Beginn für das Saisonfinale der Samstag um 16.30 Uhr festgelegt.
Ansonsten ist nicht mehr viel Überraschendes zu erwarten. Der Meister steht schon fest und die drei Absteiger auch. Bei HaSpo Bayreuth hat man aber trotzdem noch ein konkretes Ziel: „Die Wiederholung der Vizemeisterschaft aus dem Vorjahr wäre schon schön und besonders hoch zu bewerten unter den desaströsen Verhältnissen, mit denen wir zu kämpfen hatten“, sagt Trainer Mathias Bracher mit Blick auf die vielen und teilweise extremen Personalsorgen im Saisonverlauf. Um auf dem zweiten Platz den Vorsprung von einem Punkt vor der ursprünglich höher eingeschätzten TG Landshut zu verteidigen, muss seine Mannschaft nun noch im heimischen Schulzentrum Ost gegen den TSV Haunstetten gewinnen, der an drittletzter Stelle seit der vergangenen Woche als Absteiger feststeht.
Für den Aufsteiger aus Augsburg endet damit ein einjähriges Gastspiel in der höchsten bayerischen Spielklasse, in dem er durch eine ungewöhnliche Formkurve aufgefallen ist. In den ersten 16 Spielen gelang nicht mehr als die zwei Siege in den Neulingsduellen gegen Schlusslicht TSV Ismaning, sodass mit 4:28 Punkten schon zu diesem Zeitpunkt der Abstieg besiegelt schien. Im vorletzten Spiel dieser Reihe gab es mit 17:44 bei HT München sogar das höchste Ergebnis der gesamten Saison, das auf Anzeichen von Resignation schließen ließ.
Umso überraschender war dann jedoch die Serie von 9:1 Punkten aus den folgenden fünf Spielen. Dabei ragte ein klarer 35:26-Sieg im schwäbischen Derby beim VfL Günzburg heraus – immerhin die einzige Mannschaft, gegen die HaSpo in dieser Saison zweimal verloren hat. Da zudem ein 29:27-Sieg beim Mitaufsteiger HBC Nürnberg den Fortschritt gegenüber der 22:29-Heimniederlage aus dem Hinspiel unterstrich, rückte das rettende Ufer damit wieder in Reichweite.Nach dieser Erfolgsserie waren die deutlichen Niederlagen gegen eine stark besetzte zweite Mannschaft des HSC Coburg (35:45) und beim Meister SG Regensburg (21:42) noch zu verkraften, doch vor zwei Wochen markierte schließlich eine 24:30-Heimniederlage gegen den damals ebenfalls noch mitgefährdeten TSV Lohr den entscheidenden Rückschlag. Der letzte 32:23-Sieg gegen den TSV Rothenburg konnte nichts mehr retten, weil gleichzeitig die Nürnberger in Waldbüttelbrunn mit 34:29 gewannen und dadurch mit weiterhin zwei Punkten Abstand und dem Vorteil im Direktvergleich den rettenden zwölften Platz endgültig absicherten.
„Ich bin froh darüber, dass nun nicht wir darüber entscheiden müssen, wer absteigt“, sagt Bracher zur Ausgangslage. Leichter werde die Aufgabe deswegen allerdings nicht. Das liegt an der unorthodoxen Spielweise des TSV Haunstetten, die wohl die Grundlage für seinen Aufwärtstrend war: „Das Spiel mit dem siebten Feldspieler haben sie offensichtlich sehr ausdauernd trainiert. Das spielen sie jetzt praktisch immer durchgehend über 60 Minuten. Ich finde das etwas seltsamen Handball, aber sie haben damit Erfolg.“ Im Vergleich zum Hinspiel, das HaSpo ungefährdet mit 26:19 gewann, haben die Schwaben dabei vor allem ihre Fehlerquote reduziert, mit der sie sich oft Gegentreffer ins leere Tor eingehandelt haben. „Zudem haben sie auch einige wirklich gute Werfer für den Abschluss“ sagt Bracher. Dabei ragt Felix Pfänder heraus, der mit 139 Toren in 23 Spielen (darunter 26 Siebenmeter) in der Torjägerliste der Liga an vierter Stelle liegt. Und auch auf der anderen Seite stellen die HaSpo-Gäste ihren Gegnern gern ungewöhnliche Aufgaben: „Sie spielen eine sehr offensive Abwehr, ähnlich wie wir“, erklärt Bracher.
Zusätzliche Personalsorgen
Das alles spricht für eine gezielte taktische Einstellung auf diese Aufgabe, aber dafür fehlen dem HaSpo-Trainer die Voraussetzungen: „Das Sieben-gegen-sechs können wir überhaupt nicht üben, weil wir einfach keine 13 Leute im Training haben. Wir können also nur theoretisch erarbeiten, was zu tun ist.“ Die Personalsorgen haben sich beim letzten 26:18-Sieg in einem „ziemlich ruppigen Spiel“ beim TSV Lohr sogar noch verstärkt: „Moritz Schmidt hat da ein paar Schläge einstecken müssen und ist nun auch raus.“ Auch mit Sven Goeritz, der dort bereits geschont worden ist, kann Bracher nicht rechnen. „Das wird also wahrscheinlich unser bisher kleinstes Aufgebot.“
Titel für „beste Abwehr“ möglich
Zumindest für Statistik-Fans kann HaSpo übrigens neben der Vizemeisterschaft noch einen weiteren „Titel“ erringen: den für die „beste Abwehr“ der Liga. Mit 597 Gegentoren in den bisherigen 25 Spielen (23,88 im Schnitt) haben die Bayreuther nur zwei mehr auf dem Konto als die hauptsächlich über ihre Offensivkraft dominierende SG Regensburg. Da sich der Meister zum Abschluss beim spielstarken Tabellenvierten HT München durchaus auf einen torreichen Schlagabtausch einstellen muss, erscheint dieser Rückstand nicht uneinholbar.