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08.05.2026 | Allgemein

Torwart-Talent Mira Schott im Nationalkader

Torwart-Talent Mira Schott im Nationalkader

Michael und Philipp Müller bei den Männern sowie Julius Meyer-Siebert bei den Junioren haben es vorgemacht. Nun gehört aber erstmals auch ein weibliches Eigengewächs von HaSpo Bayreuth zu einer nationalen Handball-Auswahl: Mira Schott hat den Status als Kaderspielerin der „Deafgirls“ des Deutschen Gehörlosen-Sportverbands (DGSV) erhalten. Soeben absolvierte die 17-jährige Torhüterin in Vechta zum dritten Mal einen mehrtägigen Lehrgang mit dem Team, das für die Weltmeisterschaft 2027 in Serbien aufgebaut wird.

Im vergangenen Oktober war Mira zum ersten Mal dabei. „Vorher kannte ich weder die Mannshaft noch die Verantwortlichen persönlich“, berichtet die Torhüterin des Bezirksoberliga-Teams HaSpo II, die auch in der kommenden Saison noch in der A-Jugend spielberechtigt ist. „Aber das Team hat mich direkt super aufgenommen, deshalb habe ich mich sofort wohlgefühlt.“ Den Kontakt zu Bundestrainerin Christiane Weber hatte sie auf eigene Initiative hergestellt, nachdem sie durch einen Instagram-Post der Spreefüchse Berlin auf die erst im April 2023 gegründeten Deafgirls aufmerksam geworden war. Die männliche DGSV-Auswahl („Deafboys“) hat schon wesentlich mehr Tradition und gewann zuletzt im vergangenen November bei den Deaflympics in Tokio die Silbermedaille.

Von solchen Zielen träumt nun natürlich auch Mira: „Ich wünsche mir so sehr, zur Weltmeisterschaft nach Serbien mitzufahren und dort eine Medaille zu gewinnen“, wird sie auf der Internetseite des DGSV zitiert. Dabei hat sie erst im Alter von 14 Jahren überhaupt mit dem Handball begonnen. Auf Anregung einer Freundin besuchte sie damals ein Training bei HaSpo, wurde dort ins Tor gestellt und fand sofort Gefallen an dieser Position. Im Nationalkader bekommt sie nun besondere Förderung. Als Torwarttrainerin amtierte in Vechta Manuela Mühlig, die beim BSV Sachsen Zwickau langjährige Bundesliga-Erfahrung gesammelt hat und auch heute noch im Alter von 45 Jahren für Crimmitschau in der Oberliga Sachsen aktiv ist. Das Schwerpunktthema für die Torhüterinnen bei diesem Lehrgang lautete „explosive Bewegungen“.

Für die Feldspielerinnen standen hauptsächlich Auslösehandlungen im Angriff, individuelle Abwehrarbeit und das Umschaltverhalten im Mittelpunkt. Das Erarbeitete wurde auch in einem Testspiel gegen die Drittliga-Frauen des SC SFN Vechta erprobt, das aber noch einige Unsicherheiten in beiden Mannschaftsteilen offenbarte. Eine erste Standortbestimmung im internationalen Vergleich verspricht man sich bald von einem Vierländerturnier, dessen Termin aber noch nicht feststeht. Dann darf auch Mira Schott auf ihr erstes Länderspiel hoffen.


Keine Hörhilfen in der Nationalmannschaft

Die Spielregeln unterscheiden im Handball nicht zwischen gehörlosen und hörenden Spielern. Mit Unterstützung durch Hörgeräte oder Implantate ist daher gut möglich, trotz Hörschädigung in regulären Mannschaften durchaus auch höherklassig mitzuspielen. In speziellen Gehörlosen-Teams (meist Nationalmannschaften), in denen ein beidseitiger Hörverlust von mindestens 55 dB vorausgesetzt wird, sind jedoch im Interesse der Chancengleichheit keine Hörhilfen erlaubt. Die größte Herausforderung besteht daher in der Kommunikation und somit in der Feinabstimmung von Spielhandlungen oder Absprachen in der Abwehr. Wie die Schiedsrichter müssen auch die Trainer mit visuellen Signalen arbeiten. Aus demselben Grund gehört zum Ausbildungsprogramm für Nationalspieler übrigens auch das Einstudieren der Nationalhymne in Gebärdensprache.