Die Frauen von HaSpo Bayreuth gehören zu den Kandidaten des Nordbayerischen Kuriers bei seiner Wahl der Mannschaft des Jahres 2025 im Bayreuther Raum. Die Abstimmung läuft bis zum 31. März online unter sportlerwahl.kurier.de
Wahrscheinlich war noch nie ein Kandidat für die Mannschaft des Jahres zum Zeitpunkt der Wahl schlechter platziert als die Handball-Frauen von HaSpo Bayreuth. Nachdem sie am vergangenen Wochenende den nötigen Sieg gegen den HC Sulzbach knapp verpasst haben (20:20), können sie an den letzten beiden Spieltagen der Regionalliga Bayern die drei regulären Abstiegsplätze nicht mehr verlassen.
Doch bei der Wahl geht es nun mal um das Jahr 2025. Und da ist den HaSpo-Frauen mit dem Aufstieg in die höchste bayerische Spielklasse eine Riesenüberraschung gelungen. In einer breiten und lange Zeit sehr ausgeglichen wirkenden Spitzengruppe der Oberliga Nord entwickelte das Team unter Trainer Andreas Berghammer zunehmende Stabilität. Während sich die Konkurrenz regelmäßig gegenseitig die Punkte abnahm, gewann HaSpo 13 der letzten 14 Spiele und hatte am Ende als Meister mit 38:6 Punkten sogar einen klaren Vorsprung von sieben Punkten.
„Der Aufstieg war nie unser Plan, und genau das macht den Erfolg zu etwas Besonderem“, sagen Hanna Bauer und Jenny Riefler aus dem Mannschaftsrat übereinstimmend. Den fehlenden Erfolgsdruck sieht Torhüterin Bauer auch als wesentlichen Faktor für den stetigen Aufwärtstrend während der Saison: „Von Spiel zu Spiel ist das Selbstvertrauen gestiegen. Da hat sich ein Spirit in der Mannschaft entwickelt, ein Flow. Das ist zwischen Mannschaft und Trainer gewachsen.“ Riefler habe sich zu Beginn beim Blick auf die Konkurrenz „schon gesagt, das könnte eine ganz gute Saison werden“: „Dann wurde es tatsächlich immer möglicher, und es kam das Gefühl auf, dass da wirklich was geht.“
Dank dieser bescheidenen Selbsteinschätzung hält sich nun auch die Enttäuschung über die aktuelle Saison in Grenzen. „Ehrlich gesagt, hatten wir sogar ernsthaft darüber diskutiert, ob wir den Aufstieg überhaupt wahrnehmen sollen“, gesteht Bauer. „Gerade wir älteren Spielerinnen wussten ja, was uns in der Regionalliga erwartet. Den jüngeren war das vielleicht nicht so klar. Dann haben wir uns aber doch dafür entschieden wegen der wertvollen Erfahrungen für alle.“ Riefler ergänzt, dass vor allem ein breiter aufgestellter Kader nötig gewesen wäre. Stattdessen fehlte aber sogar in der ersten Saisonhälfte auch noch Anna Mahl, die in der Oberliga Nord mit 194 Treffern in 20 Spielen (9,7 im Schnitt) mit klarem Vorsprung die Torschützenkönigin war, dann aber wegen eines Auslandssemestern zunächst nicht mehr zur Verfügung stand.
Doch auch nach der Rückkehr dieser Leistungsträgerin blieb die Personaldecke oft dünn. Das war auch der entscheidende Faktor aus der Sicht des HaSpo-Vorsitzenden Andreas Berghammer, der vor vier Jahren nach dem Rückzug aus der höchsten bayerischen Spielklasse infolge der Pandemie-Nachwirkungen zusammen mit seinem Vorstandskollegen Matthias Fehn das Traineramt übernommen hat und damit eine drohende Auflösung des Teams verhinderte: „Da wohl nicht allen Spielerinnen bewusst war, wie wichtig eine intensive Vorbereitung nötig sein würde, hatte ich ohnehin damit gerechnet, dass unsere Saison erst im November richtig losgeht. Genau dann wurden wir jedoch von vielen und teilweise schweren Verletzungen getroffen. Wenn wir immer komplett gewesen wären, bin ich überzeugt, dass wir den Klassenerhalt hätten schaffen können.“
Die Moral der HaSpo-Frauen hat darunter aber offenbar nicht gelitten. „Wenn man sich die Ergebnisse anschaut, ist das schon bewundernswert“, betont Jenny Riefler. „Trotz aller Rückschläge herrschte immer eine megageile Stimmung, ob im Training, in der Kabine oder im Bus. Niemand hat jemals jemanden angemacht.“ Hanna Bauer sieht auch darin eine stetige Entwicklung des Teamgeistes: „Es gab eine Phase, in der uns allen bewusst wurde, wie schwer es in dieser Liga ist und dass wir nun mal Außenseiterinnen sind. Dann haben wir uns gesagt, wir machen einfach das Beste daraus – und von da an war es richtig geil!“
Zwei Millionen Aufrufe bei Instagram
Ein Beleg für ungebrochenen Teamgeist und Spaß ist auch ein Erfolg außerhalb des Spielfelds: Der Instagram-Auftritt der HaSpo-Frauen findet große Resonanz. „Das ist die Sache der jüngeren“, wehren Bauer und Riefler einstimmig lachend ab. Also erklärt Torhüterin Alina Vizethum, die besonders eifrig Inhalte mit dem Smartphone generiert, wie man zu durchschnittlich rund 20.000 Aufrufen pro Woche kommt. Neben nachgestellten Szenen gehöre vor allem die „Frage der Woche“ zum Pflichtprogramm: „Jeweils am Donnerstag überlegen wir uns eine Frage, meist mit Bezug zu Ereignissen der Vorwoche, und filmen uns dann gegenseitig bei der Antwort.“ „Dabei kann es auch schon mal ein wenig pikant werden“, sagt Hanna Bauer schmunzelnd mit Blick auf den Beitrag, der für den bemerkenswerten Rekord von 2,2 Millionen Aufrufen gesorgt hat. Die Frage damals: „Mit wem aus der ersten Männer-Mannschaft würdest Du Deine beste Freundin verkuppeln?“ Das Ergebnis der Abstimmung liegt der Redaktion vor, unterliegt aber dem Datenschutz.
An diesem Social-Media-Vergnügen will sich jetzt auch Andreas Berghammer beteiligen, obwohl er noch der analog aufgewachsenen Generation angehört: „Wir wollen zum Abschluss der Saison ein Filmchen zusammenschneiden aus spielerischen Pannen – Fangfehler, weggeworfene Bälle, so was halt. Aber auch da brauche ich natürlich die Unterstützung von Matthias Fehn – wegen der Technik.“ Auch wenn noch nicht in allen Punkten klar ist, mit welcher Besetzung es in der kommenden Saison bei den HaSpo-Frauen weiter geht und was man entsprechend sportlich erwarten darf, kann man wohl sicher sein: Spaßig bleibt es allemal.