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    Der VfB Forchheim zieht die Notbremse

    11.05.2007

    Handball Der Regionalligist tritt künftig in der Bayernliga an. Nach dem Wegfall des Hauptsponsors ist es nicht gelungen, genügend neue Geldgeber zu finden. Der Verein will sich auf seine Wurzeln im Amateursport besinnen.

    VON UNSEREM REDAKTIONSMITGLIED Martin Rehm

    Forchheim - Gestern ließen die VfBler die Katze aus dem Sack: Der Handball-Regionalligist wird seine Regionalligamannschaft zurückziehen und in der nächsten Saison eine Klasse tiefer in der Bayernliga an den Start gehen. Nach dem Wegfall des Hauptsponsors Wilhelm Schelsky ist es den Forchheimern nicht gelungen, eine drittliga-taugliche Finanzierung für die kommende Saison auf die Beine zu stellen. Schelsky, Gründer der Arbeitnehmervereinigung AUB, sitzt im Zusammenhang mit der Siemens-Affäre in Untersuchungshaft. Im Zuge der Ermittlungen gegen Schelsky ist auch der VfB ins Visier der Fahnder geraten.

    Der Teammanager Klaus Bergmann, der künftig als Sportlicher Leiter firmiert und in handballerischen Dingen das Sagen hat, erklärte gestern: „Es gibt keine Regionalliga zum Nulltarif. Wenn man keine finanzielle Basis hat, gibt es nur eine Konsequenz: die Mannschaft abzumelden.“ Wenn nicht noch ein Wunder geschehe – „und Wunder gibt es ganz selten“ (Bergmann) –, werde der VfB also nächste Saison in der Bayernliga antreten.

    Zwar hatten die Forchheimer ihre Meldung für die nächste Regionalligasaison fristgerecht abgegeben. Doch es zeichnete sich ab, dass der Verein in der 3. Liga keine Zukunft hat. Durch den Rückzug stehen die Forchheimer als erster Absteiger fest, werden die Runde aber zu Ende spielen. Damit ist es nun unerheblich, ob der sportlich abstiegsgefährdete Tabellenzwölfte den Klassenerhalt punktemäßig schafft oder nicht. Bis zuletzt hatte Abteilungsleiter Andreas Michallek, der gestern nicht zu erreichen war, versucht, noch neue Geldgeber aufzutreiben. Er stand offenbar in Kontakt zu rund 40 möglichen Sponsoren. Letztlich hatten aber wohl nur rund zehn davon eine – noch dazu vage – Zusage gegeben. Darauf ließ sich nicht aufbauen, auch wenn gestern Mittag der VfB-Vorsitzende und Oberbürgermeister Franz Stumpf sowie Zweiter Vorsitzender Siggi Schubert erklärten, von einem Rückzug nichts zu wissen. „Wir müssen den Fehler zugeben“, so Bergmann, „dass wir in den letzten Jahren unsere Kleinsponsoren nicht gepflegt haben.“

    Dies will der Sportliche Leiter künftig wieder ändern und die Forchheimer mehr für ihre Handballer begeistern. „Wir haben es lange genug mit Profis und Ausländern versucht“, so Bergmann selbstkritisch, „aber haben die uns denn weitergebracht? Es ist ja nicht so, dass die uns hochgebombt hätten.“ Immerhin hatten es die VfBler einmal zur Vizemeisterschaft in der Regionalliga Mitte geschafft und der Aufstieg in die 2. Liga war ein Wunschziel.

    Inzwischen zeigt sich, dass die bestehende Regionalliga-Mannschaft auseinander fallen wird: Die meisten Spieler verlassen den Verein. Lediglich fünf Akteure werden nach derzeitigem Stand dem VfB erhalten bleiben (siehe Info-Kasten). Da die Profis im Kader schon seit Januar kein Geld mehr bekamen, habe sich laut Bergmann abgezeichnet, dass sie sich nach neuen Klubs umschauen würden: „Auf was sollen die noch warten?“ Dem aktuellen Regionalliga-Trainer Csaba Szücs wurde mitgeteilt, dass der VfB ohne ihn plane.

    Für die nächste Saison hat Bergmann in Absprache mit der Abteilungsleitung folgendes Konzept erstellt: Die verbliebenen Regionalligaspieler und die derzeitige zweite Mannschaft, die sportlich den Aufstieg in die Landesliga geschafft hat, bilden die künftige Bayernliga-Truppe. Das Traineramt übernimmt Norbert Münch von der derzeitigen „Zweiten“. Die Forchheimer werden auf den zustehenden Platz in der Landesliga verzichten und mit der Reserve wieder in der Bezirksoberliga an den Start gehen. „Es ist eine Herausforderung, jetzt etwas auf die Beine zu stellen, was Bestand hat“, erklärt Bergmann, „wir kehren zu unseren Wurzeln zurück und werden Amateursport mit geringem Aufwand betreiben.“ Es fängt schon damit an, dass die VfBler noch einen neuen Trikotsponsor suchen.

    Das keineswegs selbstverständliche Ziel im nächsten Jahr werde sein, die Bayernliga zu erhalten. Jedoch bringen einige Akteure der zweiten Mannschaft, die früher selbst in der ersten gespielt hatten, Erfahrung aus dieser Spielklasse mit.

    Auch durch die Aussicht auf fränkische Derbys in der Bayernliga hofft Bergmann, wieder mehr Leute für den Forchheimer Handball interessieren zu können. Die Gegner im nächsten Jahr heißen Bayreuth (Mitabsteiger), Rothenburg, Rimpar oder Winkelhaid (Aufsteiger). „Wer kennt schon Hemsbach oder Altensteig?“, meint Bergmann in Anspielung auf diesjährige Gegner in der Regionalliga Süd. Zuletzt kamen nur etwa 300 Zuschauer zu den Heimspielen. Bei Derbys gegen den HC Erlangen, das jüngst 700 Fans sehen wollten, platzte die Gymnasiumhalle früher mit 1100 Zuschauern aus allen Nähten.

    Der Platz der zweiten Mannschaft in der Bezirksoberliga ist laut Bergmann ideal, „um die Jugendlichen zu platzieren“. „Denn Ali Salihu macht eine Bomben-Jugendarbeit“, lobt Bergmann den Jugendleiter. Die Aussicht für den Nachwuchs sei künftig besser, in der Bezirksoberliga, Landes- oder Bayernliga zu landen. Denn: „Für die meisten war die Regionalliga nicht erreichbar.“

    Zusammen mit dem Meister und Zweitliga-Aufsteiger HSC Coburg und dem Absteiger HaSpo Bayreuth verliert die Regionalliga Süd damit zur nächsten Saison drei fränkische Vereine auf einen Schlag. Der VfB gehörte der Regionalliga in der Saison 2001/02 und seit 2003 ununterbrochen an.

    Die Zukunft der VfB-Regionalligaspieler

    Imre Szabo: Der Torwart sucht einen höherklassigen Verein, geht evtl. zurück nach Ungarn.
    Dieter Geck: Der zweite Torwart will aus Studiengründen (Jura) kürzer treten, wechselt evtl. zum TV Erlangen-Bruck.
    Markus Blatt: bleibt
    György Szabo: hat beim Regionalligisten HSC Bad Neustadt unterschrieben.
    Mario Schmidtke: steht vor einem Wechsel zum HC Erlangen.
    Tobias Radina: der Kreisläufer wechselt zum Regionalligisten SG Köndringen/Teningen, wo auch der frühere VfBler Michael Rascher spielt.
    Axel Reich: bleibt, wird aber aus beruflichen Gründen (Dolmetscher) nur sporadisch spielen.
    Volker Schwab-Zettl: will aus beruflichen Gründen aufhören.
    Nicolas Plößl: Ziel unbekannt, evtl. Karriereende aus beruflichen Gründen.
    Ben Ljevar: der Kreisläufer bleibt.
    Patrick Egelseer: sucht neuen Verein.
    Jörn Ilper: Ziel unbekannt
    Jan Kästner: wird den Verein wohl verlassen.
    Martin Obermüller: bleibt
    Andreas Obenauf: bleibt