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    Ausgeglichene Bilanz, Dänische Erkenntnisse und die „Guutschies“

    11.04.2007

    Kolding Kempa Cup 2007 – das bedeutete etwa 1650 Teilnehmer aus sieben Nationen, rund 420 Spiele in zwei Tagen und in 12 Hallen – ein Mammut-Programm fürwahr, ziemlich unauffällig, aber routiniert, man kann auch sagen „dänisch gelassen“ von den Gastgebern des dänischen Spitzenklubs Kolding IF organisiert, zwei U 21 Länderspiele und eine Karibische Nacht in einem Hallenbad eingeschlossen.
    Für die 800 Autobahn-Kilometer entfernt angereisten elf HaSpo-Girls in der Klasse G 13 (Girls unter 13) hieß es, sich als eins von 21 Teams aus Dänemark, Niederlanden, den nordatlantischen Färöer-Inseln und Deutschland so gut wie möglich zu behaupten. Die Bilanz nach zwei ereignisreichen Spieltagen lautet: Ausgeglichen – 2 Siege, 2 Niederlagen, ein Unentschieden. Und das kam so:
    Ausgerechnet gegen den späteren Turniersieger, die Niederländerinnen von TOP/D.S.S. aus Heemskerk, musste das erste Spiel bestritten werden. Noch unsicher, auf welche Spielstärke man treffen wird, kamen die HaSpos schwer in Gang, erzielten gar in der zweiten 15-minütigen Spielhälfte kein einziges Tor und verloren gegen die in allen Belangen überlegenen Holländerinnen klar und deutlich mit 17:4. Die zeigten allerdings auch Handball der Extraklasse zumindest für eine D-Jugend: schnell, immer mit Tempo und effektiver erster Welle, sicher im Abschluss, mit einstudierten Laufwegen und Spielzügen und vor allem mit einer schnell verschiebenden 5:1-Abwehr, die die HaSpos für kaum lösbare Probleme stellte. In der holländischen Jugendliga dominiert dieses Team eindeutig, kein Beinbruch also für HaSpo-Verhältnisse.
    Überhaupt die Deckungsarbeit beim Kolding Kempa Cup. Die drei oberfränkischen Teams – neben HaSpo waren noch die männlichen und weiblichen Auswahlmannschaften der B-Jugend zur Vorbereitung der anstehenden 8-Bezirke-Turniere nach Dänemark gereist – schienen weitgehend die einzigen zu sein, die mit offensiven 3-2-1 und 3-3-Abwehrformationen antraten. Ansonsten hieß es in der D-Jugend jedoch, defensiv 6-0 oder 5-1 und immer mit einem schnellen Rückzugverhalten anzutreten. So traten dann auch die Mädchen von Neistin 1 von den Färöer-Inseln gegen die HaSpos an, die sich im Zug- und Siegzwang sahen, wollte man die Zwischenrunde erreichen. Gegen die individuell ausgeglichener besetzten Insel-Handballerinnen gelang HaSpo das beste Turnierspiel mit einer 2:0-Anfangs-Führung und ständig wechselnden Torfolgen bis kur vor Schluss der 30-Minuten-Spielzeit. Zwei individuelle Abwehrfehler ermöglichten der besten Neistin-Spielerin am Schluss jedoch die zwei Torerfolge, die die HaSpo-Zwischenrunden-Träume wie eine Seifenblase platzen ließen. 18:16 hieß es am Schluss für das Team von den Färöer-Inseln.
    Doch den Auftakt-Enttäuschungen setzten die HaSpo-Girls ein „jetzt erst recht“ entgegen, wurde das nächste Spiel gegen die ebenfalls bis dahin erfolglosen Däninnen von Aalborg HK zu einer Frage der Ehre. Und die Mädchen nahmen die Sache selbst in die Hand, fragten, ob Stützpunkt-Trainer Thomas Lehmann (Coburg/Rödental) nicht das Coachen übernehmen könne, was kein Problem darstellte und bei Thomas auf offene Ohren stieß. Der richtete die 3-3-Abwehrformation etwas defensiver aus, um die Übernahmemöglichkeit durchgebrochener Spielerinnen durch die zweite Abwehrreihe zu verbessern und hatte Erfolg. Einige Spielerinnen schienen wie beflügelt und motiviert durch den neuen Coach und die Mädchen aus Aalborg hatten beim klaren 16:7 keine Chance. Damit war klar, dass man um die Plätze 9 – 11 spielen werde, für die angeschlagenen Spielerinnen-Seelen immerhin ein Hoffnungsschimmer und Motivation. Ein zusätzliches Trostpflaster ergab sich durch die anschließende samstagabendliche „Karibischen Nacht“ und anschließender Disco im städtischen Schwimmbad, bei der man mit den „Großen“ bis zum Zapfenstreich um 23 Uhr aushalten durfte.
    Am Ostersonntag galt es in anderer, ungewohnter Halle das selbst formulierte Ziel und damit den 9. Platz zu erreichen. Gegen die Färöer-Mädchen von Neistin 2, die gegen eine weitere holländische Mannschaft, nämlich Hypothekenbank V&S Groningen 9:3 verloren hatte, galt es dann, ein noch besseres Torverhältnis zu erzielen, um bei einem Remis gegen die Niederländerinnen im abschließenden Spiel die Nase vorn zu haben. Und das gelang mit schnellem und druckvollem Spiel auf der Basis einer zupackenden Abwehr mit schnellen Beinen. 16 Ostereier wurden den überforderten Mädchen von der Nordatlantik Insel ins Tor-Nest gelegt, die ihrerseits nur zweimal Caro im HaSpo-Tor überwinden konnten.
    Also kam es am Sonntag um 16:45 zu einem „Endspiel“ um den 9. Platz zwischen den Groningennerinnen und den HaSpo-Girls. Die hatten bis zur 5:3 die Gegnerinnen recht gut im Griff, sieht man von der immens schnellen Hauptangreiferin der Holländerinnen ab, die anfangs kaum zu stoppen war. Allerdings machten die Gegnerinnen auch ein ungewohntes Theater, das bis hin zur roten Karte für deren Trainer gipfelte. Kaum eine HaSpo-Abwehrleistung wurde ohne eine am Boden liegende und weinende Holländerin abgeschlossen, ein „normales“ Spiel war kaum möglich, was den dänischen Zeitnehmer zu der Bemerkung veranlasste, die Holländerinnen hätten doch „lieber bei Mama“ bleiben sollen anstatt auf ein solches Turnier zu fahren. Die HaSpo-Girls ließen sich von den Umständen jedoch verunsichern, spielten nicht mehr konzentriert, schlossen zu schnell und drucklos ab und verwarfen gegen die sehr gute holländische Torhüterin drei Strafwürfe, u.a. auch weil Wurfanweisungen nicht befolgt wurden.
    So schien 1:50 Min. vor Spielende bei einem 8:10 Rückstand und Ballbesitz der Holländerinnen der Zielplatz in weiter Ferne. Doch die HaSpos bewiesen Moral, eroberten den Ball und erzielten 48 Sekunden vor Spielschluss den Anschlusstreffer. Kurze Zeit später wurde bei offener Deckung erneut der Ball erobert und 3 Sekunden vor Schluss ein Strafwurf erzwungen. Maxime übernahm Verantwortung, wählte die richtige Ecke und erzielte den heftig umjubelten entscheidenden Treffer zum 10:10, der den 9. Platz bedeutete.
    Die Mädchen haben in Kolding also ihre ersten internationalen Erfahrungen gesammelt und mitbekommen, dass noch hart und intensiv gearbeitet werden muss, wenn man an das Niveau des Turniersiegers in den nächsten Jahren herankommen will. Genau dieses war jedoch der Sinn der Teilnahme an einem Turnier, bei dem auffällig war, dass die Leistungen der weiblichen Mannschaften deutlich besser waren als im Schnitt die der männlichen.
    Neben diesen gehören zu den „dänischen Erkenntnissen“ noch:
    1. Die wirklich guten Mannschaften trainieren in der D- und C- Jugend dreimal die Woche, ab der B-Jugend vier- bis fünfmal die Woche.
    2. Athletik und Grundschnelligkeit wird bei unserem nördlichen Nachbarn groß geschrieben, weniger die Körpergröße.
    3. Wer vorne mitspielen will, der muss auf allen Positionen gleichmäßig besetzt sein und das bedeutet bereits in der D-Jugend gut geschult sein: die Beherrschung von Körpertäuschungen ist ebenso Pflicht wie Passgenauigkeit und –tempo. So war es etwa für die Mannschaft von Neistin kein Problem, den Ball mit einer Hand zu fangen und sofort weiterzuspielen. Pflicht ist als Grundschulung auch eine gewisse schematische taktische Disziplin in Angriff (Ball erst einmal durchspielen) und Abwehr (schneller Rückzug auf die vorgegebene Position). Zum skandinavischen Grundrepertoire gehört auch, immer auf die Schnittstellen der Abwehr Druck auszuüben und auch in Bedrängnis durch die Lücken zu stoßen. „Immer in die Abwehrlücken gehen“ war bei allen guten Teams eine Grundregel. Die HaSpo-Girls haben bei diesen Kriterien noch etliche Defizite.
    4. In Dänemark wird ab der C-Jugend geharzt – und die Hallenböden (Parkett anstatt Kunststoff wie bei uns) und Tore sahen trotzdem so aus, als werde nicht geharzt. Es wird wasserlösliches, helles Harz verwendet. Harzen führt nicht zwangsläufig zu einem besseren, aber zu einem anderen Spiel mit mehr Wurfvarianten.
    5. Dänische Schiedsrichter (alle, die wir sehen konnten, hatten ein weit höheres Niveau als etwa in unseren Breiten bekannt) kennen die Vorteilregel beim Torwurf nicht. Wird ein Angreifer gefoult und erzielt danach dennoch ein Tor, wird in Dänemark sofort auf Strafwurf entschieden und nicht auf Vorteil und Tor.
    6. In Dänemark ist Frauen-Handball Volkssport, hat Handball ohnehin einen höheren Stellenwert als bei uns. Die Gastgeber von Kolding IF, deren Damen wie Herren in der höchsten dänischen Liga spielen (die Jugenden meist ebenfalls in der höchst möglichen Liga) sprachen davon, dass zu den Damenspielen im Schnitt mehr als 3.000 Zuschauer kommen, bei den Herren etwas weniger. Bei Spitzenspielen in der Jugend kämmen oftmals 500 Zuschauer und mehr. Dieses und das Ganztagsschulsystem mit integriertem Kindergarten und mit viel Sport im Unterricht spült den Vereinen quantitativ viel und immer ausreichend talentierten Nachwuchs in die vielen Trainingshallen. Insofern lässt sich das dänische System mit dem unseren nicht vergleichen. In Kolding sind die vielen Jugendmannschaften mit einem Trainer, einem Co-Trainer (meist auch Torwart-Trainer) und mindestens einem Betreuer ausgestattet.
    Für die HaSpo-Girls jedenfalls war die Zeit in Dänemark mit den langen An- und Heimfahrten gewiss eine wichtige Erfahrung, auch wenn sich das nicht direkt auf Einstellung und Spielvermögen auswirken wird, wenn es nun bald in die Bayernliga-Qualifikation geht.
    Ach ja, da war noch was, was nicht zu vergessen ist. Spaß haben, eine zeitlang auf engem Raum als soziale Gemeinschaft existieren, in Schulzimmern auf harten Böden zu schlafen, das ungewohnte (aber gesunde!) Essen einzunehmen, mit nicht immer ausreichenden sanitären Verhältnissen auszukommen.
    Und da war noch etwas Wichtiges: die „Guutschies“! (Möglich erscheint auch die Schreibweise „Guccis“. Es handelt sich um einen fränkischen Lautbegriff und eine markenrechtlich zu schützende und eigenständige Erfindung der HaSpo-Girls). Guutschies? Was ist das? Man muss es so umschreiben: Ein Guutschie war, wenn es hieß „Oh die Nummer 10, der sieht soooo süß aus!“ Alles klar? Jedenfalls waren in der Lyshöl-Schule und bei den Spielen genügend Guutschies anzutreffen und wurden von den Betreuern als Mobilitätshilfe eingesetzt. Allein schon der Hinweis, vor oder in den beiden Schulhallen seien noch Exemplare diese Spezies anzutreffen, machte ungeahnte Mobilitätsreserven bei etlichen HaSpo-Girls frei. Klar, Spass muss sein, und alle hatten alles gut im Griff.
    Bei HaSpo kann man jedenfalls stolz auf die Girls der D-Jugend sein, die immer diszipliniert auftraten, gut unterscheiden konnte zwischen Ernst und Spaß, sportlich dazugelernt haben und im Spiel immer alles gaben, gleich gegen welchen Gegner es auch ging. Es hat einfach Spaß gemacht mit den HaSpo Girls beim Kolding Kempa Cup 2007 in Dänemark. Und darauf kommt es an.
    Für HaSpo in Kolding dabei waren
    Carolin Grotjahn – Anna Bauer, Gabriele Obermeyer, Sophie-Luise Ströbel, Simone Zang, Sophie Opel, Hannah Prokscha, Elena Hauenstein, Isabel Nitschke, Maxime Möckel, Francis Ramisch
    betreut, gecoacht und gefahren von Sigrid „Sigi“ Baumgärtel, Waltraud Ströbel, Margot Abel, Joachim Bauer und Jürgen Abel sowie einmal gecoacht von Thomas Lehmann