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    Interview vom HaSpo-Nachwuchs mit Michi Müller

    13.02.2009

    Ich spiele Handball seit ich denken kann“

    Von Sigrid Kranepuhl-Goeritz

    BAYREUTH. Die Handball-Weltmeisterschaft in Kroatien ist vor einer Woche zu Ende gegangen. Der ehemalige Bayreuther Handballspieler Michael Müller (24 Jahre)war dabei. Der jetzt in der Bundesliga beim TV Großwallstadt spielende Müller hat mit der deutschen Nationalmannschaft den fünften Platz belegt. Zwei E-Jugendspieler von HaSpo Bayreuth, Julius Meyer-Siebert (8) und Paul Bergner (8), haben ihn für euch interviewt.

    Frage: Seit wann spielst du Handball?

    Müller: Seitdem ich denken kann. Meine Mutter hat gespielt, meine Schwester auch. Da habe ich zwei Jahre früher angefangen als man normalerweise beginnt.

    Frage: Musstest du viel dafür tun, um gut zu werden?

    Müller: Ich habe speziell mit meinem Bruder viel und hart trainiert. Wir sind jede freie Minute in die Halle gefahren und haben versucht, mit einer Mannschaft zu trainieren. Als B-Jugendliche haben wir bereits bei den Herren trainiert. Talent gehört immer etwas dazu. Man sagt ja, dass der Wille und die Arbeit einfach mehr bringen als das Talent.

    Frage: Was ist deine Schuhgröße?

    Müller: Meine Schuhgröße ist 46. Das geht noch.

    Frage: Wie viele Schuhe verbrauchst du in einem Jahr?

    Müller: Das werden so an die vier oder fünf sein. Es gibt Spieler, die einige mehr verbrauchen, aber ich mag es lieber, mit einem alten Schuh zu spielen, der schon ausgelatscht ist. Mit neuen Schuhen kriege ich immer Blasen an den Füßen, das ist nicht so schön.

    Frage: Wie viele Handbälle hast du?

    Müller: Nachdem ich beim TV Großwallstadt immer für den Spielball zuständig bin, habe ich einige Bälle daheim. Zurzeit liegen glaube ich vier rum.

    Frage: Wie lautet der Schlachtruf der deutschen Nationalmannschaft und wie kam es dazu?

    Müller: Der Schlachtruf lautet Scrappy Coco und ist, glaube ich, ein Zitat aus einem Film. Das kam irgendwann von Mimi Kraus. Der hatte das in einem Film gesehen und fand das ganz lustig.

    Frage: Was habt ihr zwischen den Spielen bei der WM gemacht?

    Müller: Vor allen Dingen viel geschlafen. Wir haben natürlich Videos geguckt. Den nächsten Gegner haben wir angeschaut. Die meiste Zeit haben wir eigentlich auf dem Zimmer gelegen, fern gesehen und uns auf das nächste Spiel vorbereitet.

    Frage: Wie war der Tagesablauf bei der WM? Wann hattet ihr Freizeit und wann war Bettruhe?

    Müller: Wir haben bis 9.30 Uhr gefrühstückt, dann hatten wir bis 11 Uhr Zeit. Anschließend hatten wir Videobesprechung. Dann war um 13 Uhr Mittagessen. Bis 14.45 Uhr hatten wir Zeit. Die meisten haben Mittagsschlaf gemacht, um nachher wieder fit zu sein. Dann haben wir uns nochmal eine Viertelstunde Videos angeschaut und dann ging es schon zum Spiel. Danach gab es Abendessen und eine kurze Besprechung zum Spiel. Wer schon schlafen konnte, ist um 24 Uhr oder 1 Uhr ins Bett gegangen. Viele haben sich noch vom Physiotherapeuten pflegen lassen.

    Frage: Durftet ihr da auch schwimmen?

    Müller: Da gab es eigentlich keine Möglichkeit, schwimmen zu gehen. Im Hotel war leider kein Schwimmbad, sonst wären wir da bestimmt zur Entspannung reingegangen. Und im Meer war es noch ein bisschen zu kalt.

    Frage: Was gab es zu essen, gab es Gesundheitskost?

    Müller: Im Hotel waren alle sechs Mannschaften und alle haben dasselbe gegessen. Es gab keine Gesundheitskost, aber Schnitzel, Hähnchen… Es gab ein Buffet, das war ok. Es war aber leider jeden Tag dasselbe und nach zwei Wochen kommt man dann zum Frühstück und denkt: nicht schon wieder so ein Brötchen. Das Essen war gut, aber ich war dann auch wieder froh, in Deutschland zu sein und bei meinem Lieblingsamerikaner vorbeizuschauen.

    Frage: Warst du bei der WM nervös?

    Müller: Nervös war ich schon, vor allem beim ersten Spiel war ich ziemlich nervös. Das hat aber von Spiel zu Spiel ein bisschen abgenommen. Die Mannschaft und der Trainer haben die Nervosität schon genommen. Wenn man das Vertrauen von der Mannschaft und vom Trainer hat, dann wird vieles leichter und dann fühlt man sich auch besser. Nachdem das die ersten Spiele bei mir ja ganz gut funktioniert hat, hat sich die Nervosität auch schnell gelegt.

    Frage: Auch wenn du erst sehr spät ins Spiel gekommen bist, hast du gleich sehr mutig gespielt. Hat dir der Trainer gesagt, dass du gleich was probieren sollst?

    Müller: Das ist schon so mein Spiel. Ich bin so einer, der gerne eins gegen eins geht. Ich brauche das, um in das Spiel reinzukommen. Wenn ich gleich eine gute Aktion habe, dann fühle ich mich sicherer und dann legt sich auch die Nervosität. Dann läuft es meistens besser.

    Frage: Spricht Bundestrainer Heiner Brand nach dem Spiel mit jedem Spieler einzeln über seine Leistung oder mit allen zusammen?

    Müller: Er spricht nur mit ganz wenigen Spielern einzeln. Nach dem Spiel gibt es immer eine Mannschaftsbesprechung und da wird dann ab und zu auf einzelne Spieler eingegangen.

    Frage: Dein Zimmernachbar war doch der Carsten Lichtlein. Wie war das denn so?

    Müller: Mit Carsten bin ich bei den ganzen Lehrgängen zusammen in einem Zimmer. Der Carsten ist ein ganz lustiger Typ, aber er hat einen anderen Schlafrhythmus als ich. Er geht immer schon um 21.30 Uhr ins Bett, steht aber auch schon um 7.30 Uhr auf und geht anderthalb Stunden lang Kaffeetrinken. Währenddessen schlafe ich dann noch weiter. Ich bin dann immer länger wach. Aber es war ganz lustig mit ihm.

    Frage: Wer ist der älteste in der Nationalmannschaft? Ich glaub der Tiedtke!

    Müller: Tito? Ich bin mir nicht ganz sicher, wer der Älteste ist. Tito ist einer der Älteren, aber auch Olli Roggisch, glaube ich. Aber nachdem wir alle so jung sind …

    Frage: Hattet ihr auch im Bus feste Plätze?

    Müller: Ja, ja, das ist immer ganz wichtig. In den Kabinen und im Bus hatte immer jeder seinen festen Platz.

    Frage: Wie beurteilst du die Leistungen der Schiedsrichter bei der WM beziehungsweise bei den deutschen Spielen?

    Müller: Die Schiedsrichter haben uns in den letzten Minuten nicht geholfen, haben ein oder zwei unglückliche Entscheidungen gegen uns getroffen. Aber man muss auch fairerweise sagen, dass wir es selber in der Hand hatten, das Spiel zu gewinnen. Da haben wir nie die Chance genutzt, das Spiel für uns zu entscheiden.

    Frage: Im Spiel gegen Norwegen hätten die Schiedsrichter die Zeit stoppen müssen.

    Müller: Das haben sie nicht gemacht, das war etwas unfair. Aber wir hätten wie gesagt schon vorher das Spiel für uns entscheiden müssen.

    Frage: Wurde noch über den Wutausbruch von Heiner Brandt gesprochen?

    Müller: Wir haben nach dem Spiel abends immer eine Besprechung und da hat Brandt 30 Bier für die Mannschaft reingefahren. Er hatte keine Lust, über Handball zu reden und dann haben wir alle gelacht.

    Frage: Wie ist Heiner Brandt im Training?

    Müller: Er ist schon ein sehr menschlicher Typ. Er hat allen gleich das Du angeboten und gesagt: Ich bin der Heiner. Es wird viel Spaß gemacht, viel gelacht, aber wenn zu viel gelacht wird, dann lässt er schon mal einen Schrei los. Danach konzentriert man sich wieder. Er sieht alles nicht so eng und wir spielen auch ab und zu Fußball. Es hat zwar nicht viel mit Fußball zu tun, aber wir spielen Fußball.

    Frage: Ist die WM insgesamt positiv gelaufen? Oder bist du enttäuscht, dass du das Halbfinale verpasst hast?

    Müller: Die Enttäuschung ist natürlich schon da. Wir hatten sozusagen drei Matchbälle und konnten in drei Spielen keine zwei Punkte erreichen. Das war schon unglücklich. Aber wie gesagt, das hatten wir selber in der Hand. Aber den fünften Platz hatte uns eigentlich keiner zugetraut, und Heiner Brandt hat auch gesagt, dass er stolz ist auf uns. Wir haben eine ganz junge Mannschaft und darauf lässt sich in den nächsten Jahren aufbauen.