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    Der Nordbayerische Kurier berichtet in seiner Reihe „Der grüne Faden“ über Fabio Nicola

    15.06.2021

    Fast immer am Ball.

    Fabio Nicola: Der 23-Jährige ist mit seinem Verein Haspo Bayreuth in die Dritte Liga aufgestiegen – Zusammenhalt ist ihm wichtig.

    Ein Le­ben für den Hand­ball – so las­sen sich die ers­ten 23 Le­bens­jah­re von Fa­bio Ni­co­la grob zu­sam­men­fas­sen. Und auch bis auf wei­te­res wird die­se Sport­art für den Spie­ler von Has­po Bay­reuth noch ei­ne wich­ti­ge Rol­le spie­len.

    Al­les be­gann so un­ge­fähr im Al­ter von zehn Jah­ren. Da war der Be­such bei ei­nem Freund, ein Ball und ein Klei­der­schrank. Was das mit­ein­an­der zu tun hat? Nichts we­ni­ger als das: Hier wur­den die Grund­la­gen ge­legt, gleich­sam die Wur­zeln ein­ge­pflanzt. Denn die Schrank­tü­ren be­trach­te­ten die Jungs als Hand­ball­tor, wo­zu es gar nicht so viel Fan­ta­sie braucht. Ei­ner hat sich ins Tor ge­stellt, und der an­de­re hat drauf ge­wor­fen. Je­den­falls: „So ging’ s los“, er­in­nert sich der heu­te 23-Jäh­ri­ge im Ge­spräch mit dem Ku­rier. „Das wa­ren mei­ne An­fän­ge mit dem Ball in der Hand.“ Wenn­gleich er rück­bli­ckend ein­räu­men muss: „Die Ma­ma war nicht so be­geis­tert.“ Egal. Wo ein Ta­lent ist, setzt es sich durch. So kann auch das Kin­der­zim­mer zur Hand­ball-Are­na wer­den.

    Längst spielt Fa­bio Ni­co­la in grö­ße­ren Hal­len. Bei sei­nem Ver­ein Has­po Bay­reuth hat er al­le Ju­gend­mann­schaf­ten durch­lau­fen. In­zwi­schen ist er bei den „Her­ren 1“ an­ge­kom­men. Der Top-Mann­schaft, die im ver­gan­ge­nen Jahr den Auf­stieg in die Drit­te Li­ga ge­schafft hat. Der grö­ß­te Er­folg in der Lauf­bahn des Bay­reu­ther Sport­lers.

    Auch wenn in die­ser Grup­pe die Luft viel­leicht ein biss­chen dün­ner wird, ist Fa­bio Ni­co­la mit Leib und See­le da­bei. „Wir sind fast ei­ne rei­ne Stu­den­ten­trup­pe.“ Vie­le da­von spie­len schon seit ih­rer Ju­gend für Has­po. Der Zu­sam­men­halt ist da. Geld ver­die­nen lässt sich mit Hand­ball in Bay­reuth in der Drit­ten Li­ga nicht. Aber dar­um geht es auch nicht. „Es ist schö­ner, in ei­ner Trup­pe zu spie­len, die eng zu­sam­men­hält, als in ei­ner Söld­ner­trup­pe.“ Und er be­tont: „Mir ist das Mensch­li­che deut­lich wich­ti­ger.“

    Wor­an man denn ei­nen Hand­bal­ler si­cher er­ken­nen kann? Ganz ein­fach: an sei­nen krum­men Fin­gern. „Es gibt kei­nen, der mit ge­ra­den Fin­gern aus der Kar­rie­re geht“, sagt der 23-Jäh­ri­ge, der weiß, dass man sich in sei­ner Lieb­lings­sport­art leicht ver­let­zen kann. Kreuz­band, Me­nis­kus, Au­ßen­band­riss oder ei­ne Kap­sel­ver­let­zung – das ist schnell pas­siert. Von schlim­me­ren Ver­let­zun­gen ist er bis­her ver­schont ge­blie­ben. Aber der Has­po-Spie­ler tut auch was da­für. Ne­ben dem Hand­ball-Trai­ning, das drei­mal in der Wo­che statt­fin­det, macht Fa­bio Ni­co­la auch Kraft­trai­ning und Übun­gen für die Rumpf­sta­bi­li­tät.

    Er sei ein Typ mit Ecken und Kan­ten, wie es sie nur noch sel­ten ge­be – das hat sein Trai­ner un­längst über den Spie­ler ge­sagt. Was es da­mit auf sich hat? Fa­bio Ni­co­la über­legt. Sei­ne Auf­ga­be sei es, die Ab­wehr zu steu­ern. „Da kann ich auch mal laut wer­den.“ Bei ihm wis­se je­der, wor­an er ist. „Wenn mir was nicht passt, spre­che ich das an. Ich bin ein Ver­fech­ter der di­rek­ten und ehr­li­chen Art. Ich scheue mich nicht, mit mei­ner Mei­nung an­zu­ecken.“ Auf dem Spiel­feld su­che er den Wett­kampf. Doch er kön­ne tren­nen. Auch mit je­man­dem, mit dem er sich im Spiel ge­zankt hat, kön­ne er da­nach ein Bier trin­ken.

    Dass es beim Hand­ball hart zur Sa­che geht, steht au­ßer Fra­ge. Es han­delt sich um ei­ne un­heim­lich schnel­le Sport­art. Ein aus­ge­spro­chen phy­si­sches Spiel mit viel Kör­per­kon­takt. Ein An­griff dau­ert nie län­ger als ei­ne Mi­nu­te. Es geht hin und her. Und: „Es pas­siert viel mehr als im Fuß­ball“, sagt der Has­po-Spie­ler, der den en­gen Kon­takt mit sei­nen Mit- und Ge­gen­spie­lern sehr schätzt. Zeit für wei­te­re Hob­bys bleibt bei ei­nem der­art aus­ge­füll­ten Trai­nings­plan kaum. „Ich ha­be mich sehr an den Hand­ball ver­kauft“, sagt Fa­bio Ni­co­la. Und wer weiß – viel­leicht wird die­se Ver­bin­dung auch nach Ni­co­las ak­ti­ver Zeit bei der ers­ten Her­ren-Mann­schaft an­hal­ten. An der Uni Bay­reuth stu­diert er Sport­öko­no­mie. Für die Zeit da­nach kann er sich vie­les vor­stel­len: ei­ne Ar­beit in ei­nem Ver­ein, im Ver­band oder in der Event­bran­che. Oder bei ei­nem Sport­ar­ti­kel­her­stel­ler im Mar­ke­ting oder im Ver­trieb. Auf je­den Fall „et­was mit Sport­be­zug“ soll es sein. Und im Ide­al­fall nicht zu weit weg von Bay­reuth. Wenn es mög­lich wä­re, wür­de er ger­ne in der Re­gi­on blei­ben. „Ich bin hei­mat­ver­bun­den“, sagt der 23-Jäh­ri­ge. „Kein Gro­ß­stadt­typ.“ Bay­reuth hat für ihn ge­nau die rich­ti­ge Grö­ße. Nicht zu groß und nicht zu klein. Und er fin­det: „Bay­reuth wird im­mer jün­ger.“ Was an der sich im­mer wei­ter ent­wi­ckeln­den Uni­ver­si­tät lie­ge.

    Viel­leicht wird man die nächs­ten 23 Jah­re im Le­ben von Fa­bio Ni­co­la dann so zu­sam­men­fas­sen kön­nen: Ein Le­ben für den Sport. Doch jetzt gilt es erst mal, mit ver­ein­ten Kräf­ten die Drit­te Li­ga im Hand­ball zu hal­ten.

    INFO:
    Der Bayreuther Fabio Nicola gibt den Grünen Faden weiter an Jörg Hoppe. Der Handballer sagt über Hoppe: „Ausgewählt habe ich ihn, weil er – egal ob imJob oder privat – einer der hilfsbereitesten Menschen ist, die ich kenne.“

    DER GRÜNE FADEN:
    Jeder Mensch hat eine Geschichte, die es wert ist, erzählt zu werden. Die Region Bayreuth hat rund 180000 davon. Mit unserer Serie möchten wir die Schicksale hinter den vielen Gesichtern aufzeigen, die uns täglich begegnen. Ob auf dem Marktplatz oder beim Metzger. Jeder Porträtierte wird anschließend gebeten, den symbolischen Grünen Faden an jemanden weiterzureichen, dessen Geschichte auch einmal erzählt werden sollte. So zieht sich der Grüne Faden durch die Region.

    Von Roman Kocholl,
    NK 2021-06-15, S.12