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    Ohne Zuschauer hält auf Dauer niemand durch

    29.08.2020

    Verantwortliche der Bayreuther Klubs sind sich einig: Mit Geisterspielen ließe sich höchstens ein Teil der Saison überbrücken

    Diverse Sportarten

    Von Eberhard Spaeth und Christopher Schramm

    Wann wieder Zuschauer in Sporthallen und Stadien kommen dürfen, ist weiterhin offen. Wie berichtet, hat die Konferenz der Regierungschefs von Bund und Ländern zur Anpassung der Pandemie-Regeln diesen Punkt auf Ende Oktober vertagt. Um zu erfahren, was dies für die führenden Bayreuther Klubs bedeutet, stellten wir ihren Verantwortlichen diese Fragen:

    1. Welche Auswirkungen hat es für ihren Klub, dass nicht vor Ende Oktober über eine Zulassung von Zuschauern bei Sportveranstaltungen entschieden wird?

    2. Wie lange wird Ihr Klub wirtschaftlich durchhalten können, wenn die Saison ohne Zuschauer beginnen muss?

    3. Was passiert, wenn die Tribünen auch nach dieser Grenze noch leer bleiben müssten?

    Björn Albrecht

    (Medi)

    1. Keine unmittelbaren, denn das ist ja der Stand der Dinge gewesen, der bestehen bleibt, dass es bis Ende Oktober keine Zuschauer gibt. Die Politik sagt jetzt, dass sie mit einer Arbeitsgruppe gewisse Voraussetzungen für eine Teilzulassung prüft. Parallel dazu haben wir unser eigenes Konzept in der Schublade, das wir je nach Ergebnis vielleicht noch anpassen müssen. Wenn es eine sehr hohe Übereinstimmung gibt, werden wir es schnell umsetzen können.

    2. Das haben wir ja in den verschiedenen Planungsszenarien mit berücksichtigt. Ohne Zuschauer wäre es extrem hart. Wir haben ja schon mit einer reduzierten Anzahl geplant, die im Saisonverlauf auch ansteigen kann. Auch hoffen wir, dass das 200-Millionen-Euro-Paket des BMI greift, das die Ausfälle zu 80 Prozent ersetzt, damit wir überleben können.

    3. Der Spielbetrieb wird ja durchgeführt, wobei wir die super Geschichte mit den Pappkameraden für die Dauerkartenbesitzer auf den Tribünen haben. Es ist nicht ausgeschlossen, dass bei ausreichend Corona-Fällen einzelne Spieltage nachgeholt werden müssen, wobei der Terminkalender extrem eng ist. Die Liga hat ja aber auch schon Erfahrung mit dem Turnier in München, und im Pokal wird es eine weitere Möglichkeit geben.

    Matthias Wendel

    (Tigers)

    1. Es hat keine unmittelbaren Auswirkungen, denn unser erstes Vorbereitungsspiel ist erst am 1. November geplant und der Saisonstart für 6. November. Der Spielplan der Liga wurde schon eigens bis Mitte Mai verlängert, um gewisse Puffer für mögliche Ausfälle einbauen zu können. Sicher ist die Zeit zur Planung bis zum Start knapp. Aber wir gehen davon aus, dass die abschließende Mitteilung des Ausschusses der Staatskanzleien nicht erst genau am 31. Oktober kommen wird. Wir hoffen auf Informationen für die Verbände vielleicht schon Mitte Oktober, und dann können wir noch entsprechend reagieren.

    2. Eine schwierige Frage. Vier Wochen bis Anfang Dezember – also vier Heimspiele ohne Zuschauer – wären ohne Weiteres zu verkraften. Alles andere ist jetzt noch hypothetisch.

    3. Ich sage offen: Eine Saison komplett ohne Zuschauer ist nicht machbar. Das gilt sicher auch für die anderen Klubs, dann gibt es keine Saison. Dafür fehlen uns im Vergleich zum Fußball einfach die Einnahmen aus den Fernsehrechten. Speziell für Bayreuth kann ich aber sagen, dass sich eine Saison mit der Beschränkung auf 1000 Zuschauer machen ließe. Mit diesem Szenario – ich nenne es mal den „vorletzten Worstcase“ vor einer Totalabsage – haben wir uns schon auseinandergesetzt. Alles darüber hinaus wäre ein Plus, und da setzen wir auf unser Hygienekonzept, das im Grunde schon genehmigt ist.

    marcel rozgonyi

    (SpVgg)

    1. Das hat mit uns ja wenig zu tun. Wir müssen unterscheiden zwischen Bundesliga mit den Zuschauermassen einer Kleinstadt und Amateurfußball. Wenn in Buchbach vor 300 Zuschauern gespielt wird oder bei uns vor 1000 bis 2000 in einem Stadion für 20 000. Es ist unvernünftig und unverantwortlich den Vereinen gegenüber, das gleichzusetzen.

    2. Das kann ich nicht abschätzen und hängt von der Reaktion der Partner ab. Die Finanzierung ist auf Zuschauer angelegt. Wir haben gegenüber dem BFV klar gesagt: Wenn, dann nur mit Zuschauern. Das ist die Grundlage aller Entscheidungen.

    3. Grundsätzlich muss jeder Verein einen Plan B haben und sich sicherlich ein Stück weit den Gegebenheiten anpassen. Den Normalzustand werden wir im Moment nicht erreichen, aber man kann auch nicht alles auf Null drehen. Unser Herr Ministerpräsident Söder muss einmal die Frage beantworten, wieso im Legoland am Tag 20 000 Menschen durch die Halle laufen, der Fußball aber so gefährdend sein soll. Ist das Legoland immun? Oder wieso in Offenbach 3500 Leute im Stadion sind und 30 Kilometer östlich in Aschaffenburg keiner. Damit treibt er die Amateure in den Ruin. Die Frage ist nur, wann. Wir bekommen ja nichts, keine Fernsehgelder, keine Zuschüsse.

    Andreas Berghammer (Haspo)

    1. Meine persönliche Einschätzung ist, dass wir gar nicht wie vorgesehen am 3. Oktober anfangen werden. Es gibt dazu zwar noch keine eindeutigen Aussagen, aber doch Anzeichen dafür, dass der Start nicht reibungslos verlaufen wird. Zum Beispiel kam schon ein Schreiben vom DHB, wonach man Spiele kostenfrei verlegen darf. Oder es gibt die Empfehlung, Fans der Gäste nicht zuzulassen, um die Reiseaktivität zu beschränken. Auf bayerischer Verbandsebene soll sich eine Sitzung Mitte September mit der Lage befassen.

    2. Bis zum Ende des Kalenderjahres würden wir auf jeden Fall durchhalten. Wir arbeiten aber auch an der Möglichkeit, kostenpflichtige Livestreams von unseren Heimspielen anzubieten.

    3. Ich weiß, dass die Verbände schon verschiedenste – zum Teil abenteuerliche – Konstrukte in der Schublade haben. Konkret hat der DHB schon mitgeteilt, dass im Falle eines Abbruchs der Saison wieder genau wie in der abgelaufenen Spielzeit die Quotientenregelung über die Abschlusstabelle entscheiden soll. Es lohnt sich also, gleich am Anfang möglichst viele Punkte zu sammeln...


    Nordbayerischer Kurier vom Samstag, 29. August 2020, Seite 22 (1 View)