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    Widerstand gegen Überzahl-Regel

    08.07.2020

    Mehrheit der Top-Trainer will siebten Feldspieler abschaffen

    Der Torhüter soll im Tor bleiben: Schon die Einführung der Sieben-gegen-Sechs-Regel kurz vor Olympia 2016 wurde von großer Skepsis im Welt-Handball begleitet. Vier Jahre danach regt sich nun offener Widerstand gegen das taktische Mittel, den Torwart jederzeit durch einen Feldspieler ersetzen zu können. In einer Umfrage des Fachmagazins Handballwoche unter 38 internationalen Top-Trainern votierte die große Mehrheit für die Abschaffung der Regel.

    Zu den scharfen Kritikern gehört Männer-Bundestrainer Alfred Gislason. „Ich glaube nicht, dass der Handball attraktiver wurde. Im Gegenteil! Die Regel macht das Spiel viel langsamer“, sagte der 60-Jährige dem Blatt. „Trainer verlieren besonders in der Abwehr ihre taktischen Varianten.“ Somit werden vor allem abwehrstarke Teams wie die deutsche Nationalmannschaft benachteiligt. Zeitstrafen bedeuten für die angreifende Mannschaft kaum noch einen Nachteil, weil sie die Unterzahl durch die taktische Maßnahme ausgleichen kann. Zudem haben einige Teams wie der EM-Sechste Portugal das Sieben-gegen-Sechs-Spiel mittlerweile perfektioniert und agieren im Angriff fast das gesamte Spiel über in Überzahl.

    Zu den Unterstützern der Initiative gehören auch die Trainer der Bundesliga-Spitzenteams THW Kiel (Filip Jicha) und SG Flensburg (Maik Machulla). Für eine Beibehaltung der Regel sprachen sich unter anderen Dänemarks Weltmeister-Coach Nikolaj Jacobsen und Kroatiens Coach Lino Cervar aus. Beim Weltverband IHF stößt der Protest offenbar auf offene Ohren. „Wir werden die Argumente sehr intensiv anschauen“, sagte der Vorsitzende der Trainer- und Methoden-Kommission, Dietrich Späte. dpa


    Nordbayerischer Kurier vom Mittwoch, 8. Juli 2020, Seite 22