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    Lachen auch im Krankenhaus

    15.06.2018

    Sportler erfreuen junge Patienten und lassen den grauen Klinikalltag für einige Stunden vergessen

    Von Henrik Vorbröker

    Lange Gänge, sterile Zimmer und viele sorgenvolle Mienen. Keine Frage, ein Krankenhaus ist für gewöhnlich kein Ort ausgelassener Heiterkeit. Zu groß sind oft die Belastungen und Sorgen der Patienten. Vor allem Kinder sind in diesem Punkt sehr empfindsam und spüren, wie belastend lange Krankenhausaufenthalte, auch für die Familie, sein können. Mit dem „Tag des Lachens“ wurde den kleinen Patienten der Bayreuther Kinderklinik gestern ein Geschenk gemacht, das den grauen Klinikalltag für ein paar Stunden vergessen ließ.

    Große Augen macht der siebenjährige Dariusz Szewc aus Bayreuth, als plötzlich die Tür aufgeht und eine menschengroße Schildkröte vor ihm steht. Kiddy, die musikalischste Schildkröte der Welt, hat sich mit beheimateten Vereinen zusammengetan und stattet den Kindern am „Tag des Lachens“ einen kleinen Krankenbesuch ab. Lange bitten lassen mussten sich die Bayreuther Sportvereine nicht: „Kleinen und erkrankten Kindern eine Freude machen? Das ist doch Ehrensache“, sagen Lars Baldauf (21) und Tom Elschner (20), beide vom Bayreuther Handballverein Haspo. Die jungen Männer sind zwei von insgesamt vier Sportlern, die sich bereit erklärt haben, den jungen Patienten einen Besuch abzustatten.

    Michael Bartosch (32) von den Bayreuth Tigers sowie Marius Adler (20) von Medi Bayreuth bringen den Krankenhauskindern ebenfalls Genesungswünsche und Freude mit. Und die kommt an: „Eigentlich bin ich ja Fußballer. Ich spiele sogar selber beim SV Bronn, aber dass die Handballer für mich gekommen sind, finde ich total super. Dass die mir was geschenkt haben auch. Ich habe einen Becher gekriegt und von Medi ein Plakat. Der Eishockeypuck von den Tigers ist auch richtig cool“, strahlt der kleine Dariusz. „Ich bin hier wegen meiner Lymphknoten und da ist man die ganze Zeit im Bett und das ist manchmal echt langweilig. Aber heute sind alle da, das ist echt klasse.“

    Und Dariusz soll nicht der Einzige bleiben, der überrascht wird. Einige Zimmer weiter liegt Jan Erik Guerrero Brünjes, 14 Jahre, aus Münchberg. Er erinnert sich noch gut daran, warum er ins Krankenhaus musste: „Ich war gerade in einer Firma und habe mich plötzlich total komisch gefühlt. Ich glaube, das war ein epileptischer Anfall, aber die Ärzte wissen das noch nicht so genau. Ich war dann von 14 bis 17 Uhr, glaube ich, bewusstlos. Das war echt richtig schlimm. Ich freue mich total auf die Sportler, die gleich kommen. Ich bin ja selber auch einer. Ich gehe ins Fitnessstudio und hoffe auch, dass ich schnell wieder gesund werde.“

    Die positive Begleitung des Heilungsprozesses, das einfache „Da-Sein“ für kranke Kinder. Dass soll der Sinn des „Tags des Lachens“ sein. Initiiert wird er vom Verein Zeit des Lachens, dessen Ziel es ist, nachhaltig positiv in den Klinikalltag hineinzuwirken. Mit bunten Aktionen aus Sport und Unterhaltung haben Patienten so die Möglichkeit, auch das Krankenhauspersonal um sich herum von einer persönlicheren Seite kennenzulernen. Das stärkt die Bande zwischen Pflegenden und Patienten und trägt nicht zuletzt auch zur Genesung bei. Derzeit wird auch über eine Ausdehnung des Konzeptes in den geriatrischen Bereich nachgedacht.

    Jacqueline Althaller (58) aus München ist stolz auf das, was ihr Verein bisher geleistet hat. Durch eigene, hautnahe Erfahrung musste sie selbst einst erleben, wie es ist, Mutter eines schwerkranken Kindes zu sein: „Betroffen ist einfach die ganze Familie: Mama, Papa, Oma und Opa und alle machen sich Sorgen. Das spüren Kinder. Mir war es damals ein Anliegen, allen Beteiligten in diesem Umfeld etwas zurückzugeben. Deswegen haben wir den Tag des Lachens ins Leben gerufen. Er soll ein Anstoß sein, den Klinikalltag für alle langfristig positiver zu gestalten.“

    Althaller ist überzeugt, dass gemeinsame Unternehmungen den Zusammenhalt und die gegenseitige Wahrnehmung stärken, und dabei sind wirklich alle gemeint: vom Klinikhausmeister bis zum Oberarzt, vom Elternteil bis zur Krankenschwester – alle sollen an diesem Tag Gemeinsamkeit erleben.

    Im letzten Zimmer wartet Qeyamuddin Mohebzadeh aus Afghanistan, der sich von einem Zeckenbiss erholt. Dass der Zwölfjährige erst vor drei Jahren nach Deutschland gekommen ist, merkt man ihm kaum an, so gut hat er bereits die Sprache gelernt: „Ich wohne jetzt in St. Johannis und freue mich total auf den Eishockeyspieler. Mich hat eine Zecke gebissen und jetzt müssen wir schauen, dass es nicht schlimmer wird. Ich bin eigentlich eher ein Fußballspieler und gehe oft mit meinen Freunden auf den Bolzplatz. In meiner Klasse fühle ich mich sehr wohl und ich hoffe auch, dass ich schnell wieder gesund werde.“ Das wünschen sich am Tag des Lachens alle Beteiligten für Qeyamuddin und natürlich auch für die anderen kleinen Patienten. Strahlende Gesichter sind dafür mit Sicherheit ein guter Anfang.


    Nordbayerischer Kurier vom Freitag, 15. Juni 2018, Seite 13