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    "Wir müssen aus jeder Niederlage etwas lernen“

    07.09.2007

    HaSpo-Vorsitzender Andreas Berghammer: „Williges Team, das immer alles gibt“

    Vor einer ungewöhnlichen Aufgabe steht HaSpo Bayreuth, wenn am Samstag
    mit dem Spiel bei SG Kronau/Östringen II die neue Saison in der
    Regionalliga Süd beginnt. Nachdem fast alle Leistungsträger abgewandert
    sind, müssen die meisten Spieler aus der bisherigen zweiten Mannschaft
    plötzlich drei Klassen höher spielen. Wie sich der Vorsitzende Andreas
    Berghammer, der bekanntlich auch als Trainer amtiert, unter diesen
    Vorzeichen die Saison vorstellt, erklärte er im Gespräch mit
    KURIER-Sportredakteur Eberhard Spaeth.

    Demnach müsse man davon abgehen, einen Erfolg nur am Ergebnis
    abzulesen. „Wir müssen aus jeder Niederlage etwas lernen“, sagt
    Berghammer. Die Voraussetzungen dafür sieht er gegeben, weil sein Team
    „enorm willig“ sei und „immer alles geben“ werde.

    KURIER: Ausgerechnet in dem Jahr, in dem der Handballsport in
    Deutschland mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft und sämtlicher
    europäischer Vereinswettbewerbe der Männer die größten Erfolge aller
    Zeiten gefeiert hat, scheint die Erfolgsgeschichte von HaSpo Bayreuth
    zu Ende zu gehen. Was ist da schief gelaufen?

    Berghammer: Gar nichts ist schief gelaufen. Wir machen einfach das, was
    wir immer gesagt haben: Wir arbeiten mit den Leuten, die wir haben, und
    spielen in der Liga, für die wir sportlich qualifiziert sind. Früher
    sind wir milde belächelt worden, weil niemand glauben wollte, dass wir
    das ohne Geld machen. Jetzt lachen uns dieselben Leute aus, weil es
    tatsächlich so ist. Mit unseren Sponsoren haben wir diesen Weg aber vor
    der Saison ganz offen abgesprochen.

    Einen Jahrgang wie der 84er aus den eigenen Reihen kann man sich eben
    nicht beliebig vom Baum pflücken. Ich habe den Müller-Zwillingen
    übrigens gerade eine Glückwunsch-Mail geschrieben wegen ihre
    Entwicklung in der Bundesliga.

    Auf unsere aktuelle Mannschaft bin ich sogar ausgesprochen stolz, weil
    sie sich darauf eingelassen hat, mit großem Einsatz sechs Mal pro Woche
    zu trainieren. Bis das zu einem messbaren Erfolg führt, wird aber
    einige Zeit vergehen – schon allein, weil sich der Körper erst einmal
    auf diese Belastung einstellen muss.

    KURIER: Trotzdem: Hat das WM-Jahr nicht eine Chance eröffnet, neue Sponsoren für Handball zu interessieren?

    Berghammer: Ich war schon sehr positiv davon überrascht, dass uns die
    bisherigen Partner unter den Umständen überwiegend die Stange gehalten
    haben, obwohl wir keinen Hehl daraus gemacht haben, als
    Abstiegskandidat Nummer eins in die Saison zu gehen.

    Darüber hinaus sehe ich in Bayreuth einfach nicht die Grundlage für
    vollprofessionellen Sport – egal, in welcher Sportart. Wer uns einen
    Vorwurf daraus gemacht hat, dass wir die Müllers nicht halten konnten,
    dem sei zweierlei gesagt: 1. Bei ihrem Wechsel ging es nie um Geld,
    sondern um ihre sportliche Chance in der Bundesliga. Das gilt übrigens
    entsprechend für den Wechsel der Werner-Brüder nach Coburg. 2. Um die
    Leute dazu zu holen, die vielleicht einen eigenen Aufstieg ermöglicht
    hätten, muss man rund 5000 Euro netto pro Monat in die Hand nehmen –
    pro Nase, versteht sich. Und dann hat man den eigenen Leuten noch
    keinen Cent bezahlt!

    In diesem Bereich ist es vielleicht ein Nachteil für den Verein, dass
    ich Sozialarbeiter bin und keinem Wirtschaftsunternehmen vorstehe.
    Meine Kontakt bestehen eher zu Leuten, denen es wichtig ist, dass ihr
    Geld auch dem Breitensport zugute kommt.

    KURIER: In welcher Größenordnung bewegt sich denn der aktuelle Etat des Vereins?

    Berghammer: Um den Spielbetrieb aller Mannschaften zu gewährleisten,
    kommen an Fixkosten von den Meldegebühren über die Fahrtkosten bis zur
    Bezahlung der Schiedsrichter über 100 000 Euro zusammen. Mit Extras wie
    einem Trainingslager kommen wir auf einen Etat von 160 000 Euro. Mit
    Ausgaben für Profispieler würde man also in eine Dimension vorstoßen,
    die mir in Bayreuth nicht darstellbar erscheint.

    KURIER: Wo ist denn das Geld aus der erfolgreichen vorletzten Saison
    geblieben, als vierstellige Zuschauerzahlen die Regel waren?

    Berghammer: Diese Frage entsetzt mich ziemlich, aber ich höre sie
    tatsächlich selbst immer wieder einmal. Eine volle Halle ist doch noch
    kein Beweis für eine volle Kasse. Kinder unter 14 Jahren haben bei uns
    freien Eintritt, und die aktiven Mitglieder zahlen nur einen Euro.
    Außerdem haben wir Freikarten verteilt, weil die Stimmung in einer
    vollen Hall ein Wert an sich ist.

    In der vergangenen Saison haben wir sogar Geld ausgegeben, weil alle
    Spieler eine einheitliche Vergütung bekommen haben. Dadurch haben wir
    die Saison insgesamt mit einem Minus abgeschlossen, für das wir die
    Rücklagen angegriffen haben. Das war aber vorher klar so festgelegt,
    und an diesen vorgegebenen Rahmen haben wir uns hundertprozentig
    gehalten.

    Das ganze Geld haben wir aber auch dafür nicht verplant, denn es gibt
    immer noch eine Saison danach. Den Spielbetrieb aller Mannschaften
    aufrecht zu erhalten, ist das Wichtigste. Über alles andere kann man
    erst reden, wenn das gesichert ist.

    Quelle: Nordbayerischer Kurier, 06.09.2007