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  • Viel Arbeit auf den „Baustellen“

    31.12.2016

    Warum Haspo-Trainer Marc Brückner auch in Niederlagen etwas Positives findet

    Wahrlich eine Saison mit vielen Höhen und Tiefen war es bislang für Haspo Bayreuth, den Tabellenvierten der Herren-Bayernliga. Leistungsschwankungen der neuen Mannschaft waren aufgrund des Umbruchs vor der Saison zwar eingeplant und überraschten somit wenig, doch wurde das Team der Trainer Marc Brückner und Michael Werner zudem noch vom Verletzungspech hart getroffen. Im Interview lässt Coach Brückner die bisherige Saison Revue passieren. In der Rückrunde (ab 14. Januar) will er „Baustellen in Angriff und Abwehr bearbeiten, um dann gestärkt in der nächsten Saison ganz oben anzugreifen“.

    Herr Brückner, gleich zum Saisonstart setzte es eine Niederlage in Friedberg, es folgten Unentschieden in Lohr und gegen Waldbüttelbrunn. Nicht gerade optimal. Woran lag der holprige Start, wäre mehr drin gewesen?

    Marc Brückner: Prinzipiell ist bei einem Unentschieden immer mehr drin und auch die erste Niederlage ist mit 27:30 nicht so hoch ausgefallen, dass kein Punktgewinn möglich gewesen wäre. Aber sieben Abgänge, fünf Neuzugänge und eine sicher nicht optimale Vorbereitung haben den Neufindungsprozess erschwert.

    Haspo hat großes Verletzungspech und musste zwischenzeitlich auf maximal acht Spieler verzichten. Wie geht man damit innerhalb der Mannschaft um?

    Brückner: Nachdem wir uns zu Beginn der Saison Verletzungsprophylaxe auf die Fahne geschrieben hatten, ist dieses Pech natürlich besonders bitter. Gleichzeitig zeigt es uns, dass diese Form der Prophylaxe schon weitaus früher, im Jugendbereich, beginnen muss, um langfristig das Pech zu beeinflussen. Den Spielern wurde sicher bewusst, wie wertvoll ihr Körper ist und dass ein sinnvoller, bewusster Umgang mit ihm zwingend notwendig ist.

    Vor der Saison gab es einen großen Umbruch inklusive Trainerwechsel. Zudem hat man sich für neue Abwehrsysteme entschieden. Mit 316 Gegentoren hat Haspo aktuell allerdings die drittmeisten Gegentore bekommen. Läuft die Umstellung wie erwartet?

    Brückner: Als Abwehrfetischist habe ich eine klare Antwort: Nein. Ich weiß aber auch, dass so eine starke Veränderung neben der Akzeptanz der Spieler auch Zeit braucht. Die vielen unterschiedlichen Situationen im Handball kann man im Training nur bedingt nachstellen. Sie müssen im Wettkampf erlebt und gelernt werden. Diese Zeit müssen wir uns nehmen.

    329 erzielte Tore sind hingegen der zweitbeste Wert. Woran liegt die Offensivpower?

    Brückner: Ich sehe dies zwiespältig: Neben neuen Abwehrsystemen wollen wir auch eine andere Angriffskultur entwickeln. Natürlich sind leichte Tore aus dem Rückraum wichtig, aber wir würden die Mannschaft gerne spielerisch weiterentwickeln, um die Torgefahr auf alle Schultern zu verteilen. Damit könnte man in Zukunft auch leichter Ausfälle kompensieren.

    In welchen Bereichen wird die Mannschaft in der Winterpause arbeiten müssen, und was hat Sie bereits positiv überrascht?

    Brückner: Positiv war sicher die Bereitschaft der Mannschaft, sich mit vielen neuen Dingen auseinanderzusetzen. Angriff, Abwehr und die Arbeit mit unseren Sporttherapeuten bringen ja doch einige Spieler an ihre kognitiven und motorischen Grenzen. Ebenfalls positiv ist der Zusammenhalt der Mannschaft, der sich trotz vieler neuer Gesichter sehr schnell eingestellt hat. Negativ finde ich am bisherigen Verlauf der Saison nichts. Aus Niederlagen oder Fehlern kann man lernen, die sind dann aus dieser Sicht sogar positiv zu bewerten. Schade finde ich allerdings, dass ich bei dem einen oder anderen eine gewisse Gleichgültigkeit hinsichtlich der eigenen Leistung feststelle. Der Status quo wird bei diesen Spielern mit minimalem Aufwand gehalten und eine Weiterentwicklung für größere Ziele blockiert. Da merke ich, wie ich an meine Grenzen stoße.

    Kann Haspo womöglich trotzdem noch ins Titelrennen eingreifen?

    Brückner: Wenn man bedenkt, dass Spitzenreiter HC Erlangen II bisher alle ernsthaften Verfolger auswärts hatte, glaube ich nicht, dass das Team noch so viele Punkte liegen lässt, um uns mit fünf Minuspunkten mehr noch die Tür zum Titelrennen zu öffnen. Wenn man zudem unsere Verletzungsmisere berücksichtigt – aktuell fehlen drei von fünf Neuzugängen – und nicht übersieht, dass einige körperlich oder beruflich angeschlagen bzw. eingespannt sind, wäre der Titelkampf auch ein vermessenes und unrealistisches Ziel. Das Ziel in der Rückrunde kann nur sein, unsere Baustellen in Angriff und Abwehr zu bearbeiten, Spielern neue Aufgaben und Verantwortung zu geben, um dann gestärkt in der nächsten Saison ganz oben anzugreifen. berg


    Nordbayerischer Kurier vom Samstag, 31. Dezember 2016, Seite 34