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    Spitzenkräfte in einem Spitzenteam

    07.06.2016

    Bayreuther Michael und Philipp Müller haben herausragenden Anteil an Erfolgsgeschichte der MT Melsungen

    Von Eberhard Spaeth

    Abgesehen vom Weg der Rhein-Neckar Löwen zum Gewinn ihrer ersten Deutschen Meisterschaft wurde die bemerkenswerteste Erfolgsgeschichte der gerade zu Ende gegangenen Bundesligasaison in Nordhessen geschrieben: Die MT Melsungen erreichte den größten Erfolg ihrer Vereinsgeschichte, und die Bayreuther Zwillinge Michael und Philipp Müller hatten daran einen herausragenden Anteil.

    Schon in den ersten beiden Jahren nach dem Wechsel der Müller-Brüder vom Nachbarrivalen HSG Wetzlar waren die Melsunger mit zwei sechsten Plätzen und einer Teilnahme am europäischen EHF-Pokal in zuvor unbekannte Dimensionen vorgestoßen. In der elften Bundesligasaison des Vereins gelang nun aber noch ein weiterer großer Schritt nach vorn. Belege dafür sind nicht nur der vierte Platz und die erneute Qualifikation für den EHF-Pokal, sondern vor allem die Konkurrenzfähigkeit im Vergleich zur absoluten Spitze. Ganze drei Punkte trennen die Melsunger vom Deutschen Rekordmeister THW Kiel, den sie im Saisonverlauf ebenso einmal bezwungen haben, wie Meister Rhein-Neckar Löwen und Vizemeister SG Flensburg.

    Michael Müller verteilt meiste Assists in der Liga

    Innerhalb dieses Spitzenteams gehören die beiden 31-jährigen Bayreuther zu den Spitzenkräften. Am deutlichsten kommt das in den Statistiken bei Michael Müller zum Ausdruck. Der MT-Kapitän und 78-malige Nationalspieler, der nicht zum Aufgebot für das morgige Länderspiel in Mannheim gegen Russland gehört und damit wohl auch nicht zum engsten Kreis der Olympia-Kandidaten, liegt in einer Kategorie sogar mit einigem Abstand an der Spitze der Liga: 94 Assists (fast genau drei pro Spiel) wurden für den Linkshänder notiert, 18 mehr als für den zweitplatzierten Steffen Fäth (Wetzlar). Der aktuell wohl weltbeste Spielmacher Andy Schmid von den Rhein-Neckar Löwen kann auf Platz vier dieser Rangliste nur 59 Einträge vorweisen.

    Diese Bilanz ist umso bemerkenswerter, als Michael Müller im MT-Team auch noch die meisten Tore aus dem Feld erzielt. 122 waren es in den 32 Spielen, was einem Schnitt von 3,8 entspricht. Nur 13 Bundesligaspieler trafen häufiger ohne Siebenmeter, angeführt vom Berliner Petar Nenadic (166), der auch einschließlich der Strafwürfe der Torschützenkönig ist (229/63).

    Die Qualitäten von Philipp Müller sind statistisch nicht ganz so offensichtlich, weil er nur in der Abwehr durchspielt und sich die Einsatzzeit in der Offensive mit dem serbischen Scharfschützen Momir Rnic (112/12) teilt. 60 Tore und 38 Assists können sich unter diesen Umständen ebenfalls sehen lassen. Entscheidender ist aber der Beitrag des Bayreuthers zum vielleicht besten Mittelblock der Bundesliga. Mit 49 geblockten Würfen nimmt er die dritte Stelle in dieser Rangliste ein, die von seinem Nebenmann Felix Danner (58) angeführt wird. Eine Melsunger Doppelspitze verhindert nur der spanische Abwehrchef der Rhein-Neckar Löwen, Gedeon Guardiola (51).

    Die Defensivstärke der Müller-Brüder hat ihnen seit Jahren einen Ruf als „böse Buben“ der Liga eingebracht. Das wird durch die Strafen-Bilanz aber nicht bestätigt. Philipp gehört mit 25 zwar als Achter zum Vorderfeld, ist aber doch ein gutes Stück entfernt vom führenden Tobias Schimmelbauer (TVB Stuttgart) mit 37, und Michael (13) spielt in dieser Statistik auf Platz 50 überhaupt keine Rolle. Eine Rote Karte sah in dieser Saison keiner von beiden.


    Nordbayerischer Kurier vom Dienstag, 7. Juni 2016, Seite 33